Joe Müller – im Gedenken an einen Pionier der Pizolbahnen

07.02.2017

Der erste Verwaltungsrats-Präsident der Luftseilbahn Wangs – Pizol (LWP), Josef «Joe» Müller, ist am 16. Januar 2017 im 100. Lebensjahr verstorben. Der frühere Gemeindeammann von Mels war Mitbegründer der LWP, die seit 2006 zur heutigen Pizolbahnen AG gehören.

Der begeisterte Alpinist und Skifahrer Joe Müller war schon als Kind im Sommer wie Winter am Pizol unterwegs. Als Europa nach dem Zweiten Weltkrieg einen Skiboom erlebte, war er mit grossem Engagement dabei, um das Pizolgebiet mit einer Bergbahn zu erschliessen. Folgerichtig wurde Joe Müller zum ersten Verwaltungsrats-Präsidenten der Luftseilbahn Wangs – Pizol (LWP) gewählt.

Im Sommer 1954 nahm zuerst die zweite Sektion Maienberg – Furt den Betrieb auf. Damals zeigte sich das Talent von Joe Müller, Probleme auch mal mit unkonventionellen Ideen zu lösen: Bis die erste Sektion ab Wangs fertig gebaut war, wurden die Touristen mit einem Jeep zum Maienberg hoch gefahren.

Joe Müller – von Mels über Basel in den Tessin

Als Jurist und Gemeindeammann von Mels war die Überführung des Elektrizitätswerkes Mels von einer privaten Firma in die Gemeinde eines der wichtigsten Projekte von Joe Müller. Die regelmässigen Beitragszahlungen des EW an die Gemeinde brachten der Gemeinde Mels nachhaltig eine stabile Finanzlage.

Das Nebenamt als Gemeindeammann von Mels von 1951 bis 1961 zeigt aber nur eine Facette von Joe Müller, der sich zeitlebens in den Dienst der Gesellschaft stellte. Er war Mitglied des Kirchenrates und des Gemeinderates Mels sowie des Kantonsrates St.Gallen – und wie erwähnt erster Verwaltungsrats-Präsident der Luftseilbahn Wangs – Pizol (LWP), die sich 2006 mit den Sportbahnen Bad Ragaz AG zur heutigen Pizolbahnen AG zusammenschlossen.

Von Mels zog Joe Müller 1961 mit seiner Familie nach Basel, wo er bis 1991 lebte. Dort war er neben seiner Arbeit als Jurist zwanzig Jahre Sekretär der Römisch-Katholischen Kirche des Kantons Basel-Stadt. Er war in dieser Zeit unter anderem Initiant der Solidarischen Kirche Schweiz und des ökumenischen Lehrstuhls für Ethik an der Universität Basel.

Seinen letzten Lebensabschnitt von 1991 bis 2017 verbrachte Joe Müller zusammen mit seiner Frau Rita im idyllischen Dorf Pura über dem Luganer See und in Caslano. «Wanderungen in der Tessiner Bergwelt, Konzertbesuche in Lugano, Violine spielen, philosophieren und diskutieren», so beschrieb er seinen Lebensabend in Pura. Die Musik war ihm immer wichtig, und er half mit bei der gesamtschweizerischen Anerkennung des Conservatorio della Svizzera Italiana als Fachhochschule.

Bis ganz zuletzt war Joe Müller geistig hellwach, interessierte sich für die aktuellen Entwicklungen auch in Mels und am Pizol, liebte die Natur und war liebevoll mit der Familie und kritisch-optimistisch mit der Welt verbunden.

Historisches Foto von 1954 (v.l.n.r.): August Wyss (Ortspräsident Wangs), Joe Müller (Gemeindeammann Mels), Andreas Zeller (Nationalrat Walenstadt), Eugen Grünenfelder (Protokoll Wangs), Johann Kalberer (Gemeindeammann Wangs), Leo Bolter (Kaufmann Buchs), Werner Schüepp (Ingenieur Zürich), Hermann Bereiter (Apparatebau Sargans), Heinrich Bünzli (Ingenieur Sargans).

  • Joe Müller, Verwaltungsrat der Piziolbahnen, 2004
  • Joe Müller, Zweiter von links, Verwaltungsrat der Piziolbahnen, 1954